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Schon mal was von Homestaging gehört? Das ist das Umstyling im Immobilien-Bereich! Die Räumlichkeiten werden dabei so in Szene gesetzt, dass sie sich besser oder überhaupt verkaufen lassen. Ganze Zimmer werden geschmackvoll eingerichtet so dass sie in völlig neuem Glanz erstrahlen. Wir haben mit Homestagerin Gabriela Überla über ihren interessanten Job, die Herausforderungen, No-Gos und skurrile Momente gesprochen. Außerdem zeigen wir Euch verblüffende Vorher/Nachher-Bilder!

Gabriela Überla ist Meisterin auf ihrem Gebiet, Foto: Homestaging Gabriela Überla, Vadim Kretschmer

Ist Home Staging eine relativ neue Erscheinung oder ist nur die Wortschöpfung neu?

Für Deutschland ist das richtig, hier sieht und liest man erst seit gut 5 Jahren mehr über unseren Job. Tatsächlich aber ist  Home Staging bereits  in den 70erJahren in den USA entstanden. Die Immobilienmaklerin Barb Schwarz erkannte, dass sich Immobilien, die sie mit professioneller Möblierung und Dekoration „in Szene (on stage) setzte“ schneller und zu einem besseren Preis verkaufte.  Der Begriff Home Staging war damit geboren. Seither wird in den USA (ebenso wie in den angelsächsischen Ländern, Holland und Skandinavien) kaum ein Haus ohne Staging verkauft. Seit ungefähr fünf Jahren setzt sich dieser Trend nun auch in Deutschland verstärkt durch.

 

Erstmal entrümpeln

 

Wer sind Ihre Kunden bzw. welche Art von Objekten setzen Sie in Szene?

Meine Kunden sind vor allem Immobilienmakler aber auch Privatpersonen,  die ihr Haus oder ihre Wohnung besser verkaufen wollen. Grundsätzlich eignen sich alle drei Objektarten für Home Staging und ich habe auch schon jede Art gemacht: Immobilien, die während des Verkaufsprozesses noch bewohnt bleiben, Immobilien, die leer stehen und Immobilien, die ererbt wurden. In Letzteren sind meist viele Jahrzehnte gelebten Lebens vorhanden. Große Mengen (altmodischer) Möbel, volle Kleiderschränke, überquellende Speicher und Keller, der Geist des Vergangenen.

Räume umgestalten bedeutet viel Arbeit, Foto: Gabriela Überla
Foto: Gabriela Überla
Aber es lohnt sich! Der Effekt ist enorm, Foto: Vadim Kretschmer
Foto: Vadim Kretschmer

Wie gehen Sie vor, wenn Sie ein unbewohntes Objekt neu gestalten/einrichten? Wer bestimmt zum Beispiel die Stil-Richtung? Was tun Sie als erstes?

Als erstes besichtige ich die Immobilie zusammen mit meinem Auftraggeber von innen und außen. Ich fotografiere den Ist-Zustand und halte fest, ob und wo ein Renovierungsstau besteht, welche Schönheitsreparaturen zu erledigen sind und welche Handwerker und Dienstleister zu organisieren sind. Als Home Stager dürfen wir keine Mängel überdecken, darauf achte ich extrem. Sollten solche bestehen, dann muss der Eigentümer entscheiden, ob er sie professionell reparieren lassen will (beziehungsweise muss) oder sie den Kaufinteressen offen zeigt. Kleine Reparaturen sollten IMMER gemacht werden. Der Immobilienverkauf ist eigentlich vergleichbar mit dem Verkauf eines Autos. Auch hier bekommen Sie mehr raus, wenn Sie es durchchecken, reparieren und schön aufpolieren lassen.

Erst wenn diese Vorarbeiten erledigt sind, kann ich ans Ausstatten der Immobilie denken. Dabei ist wichtig, immer die Zielgruppe und ihre Wohn-Bedürfnisse im Auge zu behalten. Familien oder Singles? Kinder? Senioren? Mehrere Generationen? Den Stil der Einrichtung, die Definition der Räume und die Ausstattung bestimme ich, da ich sie als Home Stager konkret auf die Zielgruppe abstimme. Es werden Laufwege offen gehalten, Licht und Raumwahrnehmung optimiert und ich achte auf eine neutrale Optik. Home Staging ist eine Verkaufsförderungs-Technik, keine Dekoration.

 

„Pappmöbel sind großartig!“

 

Wie beschaffen Sie sich die passenden Möbel bzw. Wohnaccessoires? Arbeiten Sie mit Herstellern zusammen? Erzählen Sie ein bisschen, wie man sich das vorstellen kann.

Ich habe mir im Lauf der Zeit einen eigenen Fundus an Möbeln und Accessoires zugelegt und verfüge über ein entsprechendes Lager. Leider haben wir in Deutschland keine Händler oder Hersteller, die gezielt an Home Stager verleihen. In Holland schon und die machen hierzulande mit dem Verleih von Möbeln und Accessoires gute Geschäfte. Ich führe immer wieder Gespräche mit Herstellern und grossen Möbelhändlern und versuche sie darauf zu bringen, dass sie eine solche Dienstleistung zum Marketing für sich nutzen könnten. Leider sehen das die meisten (noch) nicht so. Aus Holland kommen übrigens auch Pappmöbel, also Möbelattrappen, die ich gerne für das Staging von Küchen verwende – grossartig ! Generell achte ich darauf, dass die Möbel immer neutral in Form und Farbe und einigermaßen leicht zerlegbar sind. Die Accessoires suche ich in Farbe und Thema nach Zielgruppe, Farbschema im Haus, Jahreszeit und Umgebung (zum Beispiel urban oder ländlich) der Immobilie aus. Es sammelt sich also einiges an mit den Jahren!

 

Bei einer leeren Küche ist Vorstellungskraft gefragt, Foto: Gabriela Überla
Einfacher geht es mit einer Küchen-Attrappe, Foto: Vadim Kretschmer

Was macht Ihnen am meisten Freude an dieser Arbeit?

Ich mag an meinem Job am meisten, dass hier alles, was ich gerne mache – organisieren, kommunizieren, strukturiert vorgehen, verkaufsorientiert denken und kreativ arbeiten –  zusammen läuft! Und dann kann ich ja ständig neu einrichten, ohne selbst umziehen zu müssen!

 

Homestaging funktioniert!

 

Was war Ihr schwierigstes Objekt?

Besonders schwierig ist es immer, wenn ich ein Objekt vorfinde, das in einem absolut desolaten Zustand ist. Extrem vermüllt oder verschmutzt. Dann muss erstmal ein Profi ran. Psychologisch schwierig war ein Objekt, in dem der Erbe eines Hauses partout nicht einsehen wollte, dass seine Immobilie aufgrund ihrer Ausstattung nicht für die logische Zielgruppe interessant sein würde. Er beharrte stur auf seinem Standpunkt, nichts an dem Haus verändern zu wollen. Über Monate kam es zu keinem Besichtigungstermin. Schließlich bat mich der Makler, dem Eigentümer das Thema Home Staging nahe zu bringen. In einem sehr schwierigen und nervenaufreibenden Gespräch gelang es uns, ihn von den Möglichkeiten des Home Staging zu überzeugen. Nach dem Staging wurde das Haus innerhalb von wenigen Wochen verkauft. Das war natürlich eine tolle Bestätigung für das Funktionieren von professionellem Home Staging und hat uns sehr gefreut!

Vorher: Das Zimmer wirkt dunkel und eng, Foto: Gabriela Überla
Nachher: Großzügkeit und Helligkeit ziehen ein, Foto: Vadim Kretschmer
Was ist ein absolutes NO-GO im Home-Staging, was ein unbedingtes MUST?

No-Go: Mängel vertuschen

MUST: Budget-Treue, Zielgruppen-Orientierung, Pragmatismus

 

Mehr unter homestaging-ueberla.de

 

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