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Brian John Spencer – ein Ire und Hipster wie er im Buche steht! Rothaarig, Vollbart mit Weste, Karo-Schal und ein Faible für Kunst! Heute ist er vor allem als Straßenkünstler in Brooklyn erfolgreich und mit viel Herzblut dabei: „Als Straßenkünstler zu arbeiten schärft Deinen Blick, es schult Deine Hand und es macht Dich in fantastischer Weise zu einem besseren Künstler!“ Meine liebe Freundin und New York-Korrespondentin Laura Pfirrmann war für HIPSTER HOME unterwegs und hat uns ein spannendes Interview mit dem Live-Artist mitgebracht.

Laura hat Brian in Brooklyn getroffen – fotografiert von David Paul Larson

Brian hatte schon als Kind das Verlangen künstlerisch sein „eigenes Ding zu machen“. Doch seine Eltern bestanden auf eine handfeste Ausbildung: „Als ich in der weiterführenden Schule war, wollten meine Eltern, dass ich nicht den Schwerpunkt Kunst nehme, sondern lieber Rechtswissenschaften oder irgendetwas anderes „seriöses“ studiere.“ Was einen wahren Künstler natürlich nicht davon abhält, jede freie Minute mit Malen und Zeichnen zu verbringen. Portraits, Häuser und Tiere zählen zu seinen beliebten Motiven. Brian beginnt damit, seine Kunst online zu zeigen. Nach und nach flattern Aufträge ins Haus. So allmählich realisiert er, dass eine erfolgreiche Künstler-Karriere gar nicht so unwahrscheinlich ist!

Die berühmten Brownstones, Foto: Brian John Spencer

Gefragtes Motiv: Haustiere!, Foto: Brian John Spencer

„Es gibt keinen zweiten Versuch, keinen Radierer“

Seit wann malst Du als Strassenkünstler und was macht es für Dich so attraktiv?

Auf der Strasse malen und in Deinem eigenen Studio malen hat so viel gemeinsam wie einen Boxsack treten und in einem Stadion kämpfen. Auf der Strasse malen ist vollkommen ungehemmt. Es gibt keinen zweiten Versuch, eis gibt keinen Radierer, es gibt nur die Schlange an Menschen die ansteht und mich, also muss es hier und jetzt durchgezogen werden. Wenn du hingegen in Deinem Studio arbeitest, dann gibt es Entschuldigungen etwas nicht sofort fertigzustellen und eine gewisse Faulheit. Nichts ist vergleichbar mit dem stundenlangen Malen auf der Straße – es schärft deinen Blick, es schult deine Hand und es macht dich in fantastischer Weise zu einem besseren Künstler!

Wie kamst Du auf die Idee Häuser zu zeichnen?

Es gibt da diese fantastische Künstlerin in Belfast namens Danielle Fox mit dem Instagram-Feed @flaxfox. Sie ist für ihre skizzenhaften Zeichnungen von bekannten Sehenswürdigkeiten berühmt, die auf Kaffeetassen, Postern, Postkarten, Abtrockentüchern etc. abgebildet sind. Danielle hat mich als jungen Künstler wirklich inspiriert und anfangs habe ich sie etwas kopiert, so wie es alle jungen Künstler machen. Als ich dann 2016 als Künstler, nicht als Rechtspraktikant, nach New York zurück gekehrt bin (2011-2016: so lange hat es gedauetr, bis ich mich als Künstler etabliert hatte und ich mir das Reisen leisten konnte), habe ich einfach das getan was ich in den vergangenen Jahren in Belfast getan habe. Gebäude und Landschaften zeichnen. Viele wollten ein Bild von ihrem Rathaus oder ihrem eigenen Haus, somit hat sich das für mich als Künstler einfach ergeben und etabliert.

Karikatur von einem Neugeborenen? Niemals!

Was war Dein ungewöhnlichster Auftrag?

Das kann ich wirklich nur schwer beantworten, da ich ja hauptsächlich alltägliche Dinge male.  Bekannt bin ich dafür, Leute, Tiere, Anwesen und Landschaften zu zeichnen, daher kommt es nicht oft vor, dass ich nach etwas anderem gefragt werden. Eine seltsame Sache fällt mir allerdings ein. Da ich ja auch Karikaturist bin, zeigen mir Leute ab und zu Bilder von ihrem teilweise einen Tag alten Neugeborenen und möchten, dass ich eine Karikatur von ihrem Baby anfertige. Das lehen ich einfach nur ab! Ich male auch bei Events wie zum Beispiel Hochzeiten und auch dort wollen immer wieder Leute ihre Kinder von Handyphotos abgezeichnet bekommen. Das ist doch irgendwie fehl am Platz.

Welchen Auftrag würdest du nie annehmen?

Es gibt ziemlich wenig, das ich nicht tun würde. Solange es eine Verbindung aus Wasserfarben und Acryl ist, werde ich den Auftrag wahrscheinlich annehmen. Manchmal werde ich gefragt ob ich auch mit Kreide oder Pastellfarben, oder sogar nur mit Bleistift arbeiten könnte, aber das ist nicht mein Stil. Grundsätzlich aber muss ich eine Familie ernähren mit meiner Kunst (ein Sohn, seit einer Woche noch eine Tochter) und ich bin noch nicht an dem Punkt, an dem ich mir Aufträge aussuchen möchte, geschweige denn kann. Bestimmt werde ich in Zukunft etwas selektiver sein. Allgemein ist Auftragskunst für mich persönlich wie ins Fitnessstudio gehen  –  sehr lästig. Aber wenn ich es hinter mir habe fühle ich mich immer gut. Meine eigene Kunst zu machen, rein basiert auf meinen künstlerischen Impulsen, ist natürlich viel befriedigender, aber, wie gesagt, das zahlt noch nicht die Rechnungen. Daher sind noch gut 95% meiner Bilder Aufträge.

Foto: Brian John Spencer

„Ich liebe es Politiker zu zeichnen“

Was ist dein persönliches Lieblingsmotiv?

Ich liebe es Häuser zu malen, da es normalerweise nur eine Anordnung von Quadraten und Rechtecken ist. Wohingegen das Zeichnen von Menschen und Landschaften individueller und immer einzigartig ist. Menschen zu malen ist sehr herausfordern, aber sehr bereichernd. Ich liebe es auch Politiker zu zeichnen, weil diese Leute im öffentlichen Leben stehen. Haustiere sind cool, da die Besitzer meine Arbeit immer ohne wenn und aber wertschätzen. All diese Themen sind meine Themen, da sie mich interessieren und mich ausmachen. Ich habe mich auch selbst schon als Karikatur gezeichnet. Kurz gesagt, Portraitmalerei und Karikatur sind am herausforderndsten und gleichzeitig meine bevorzugten Themen.

Welche Themen sind auf der Straße am gefragtesten?

An einem gewöhnlichen Samstag am Grand Army Plaza in Brooklyn bekomme ich Aufträge für zwei bis drei Häuser, ein paar Haustiere und immer gut 10 bis 20 – manchmal sogar deutlich mehr – Portraits von Leuten. Karikaturen und Portraits sind damit am gefragtesten.

Selbstportrait, Foto: Brian John Spencer

Politische Karikatur: Barack Obama, Foto: Brian John Spencer

Was begeistert Dich an politischer Karikatur?

Zeig Leuten ein Bild von einem Garten, sie werden es wahrscheinlich mögen, aber es wird ihnen nichts bedeuten. Wohingegen eine aktuelle Zeichnung von Trump oder Clinton jeder Person im ganzen Land, die das aktuelle politische Geschehen verfolgt, etwas sagen wird. Diese Bilder sind sehr beliebt! Abgesehen davon ist die Tradition der politischen Karikatur Jahrhunderte alt, es ist also auch cool für mich ein Teil dieses Erbes zu sein.

„Ich brauch einfach eine regelmäßige Dosis dieser besonderen Energie“

Was macht Brooklyn für Dich so einzigartig? Was inspiriert Dich an diesem Ort?

Jeder kennt Brooklyn und New York City. Jeder möchte mal hier gewesen sein. Es ist einfach eine unbeschreibliche Stadt mit viel Energie und Aktivität und das kann niemand bestreiten. Das erste Mal habe ich 2011 in Brooklyn gewohnt und dieser Aufenthalt hat alles für mich verändert. Auf einmal habe ich unter Kreativen, Künstlern, Schauspielern, Musikern und Freelancern gelebt. Es hat mir eine vollkommen neue Weltanschauung eröffnet. Der Grund meines ersten Aufenthalts in New York war ein Praktikum in einer Anwaltskanzlei in Manhattan. Als dieses Praktikum vorüber war bin ich zurück nach Irland. Dort habe ich das, was ich in New York gesehen hatte in meiner Kunst umgesetzt. Ich bin die New Yorker Art und Weise Dinge zu tun nicht mehr los geworden! Diese Betriebsamkeit und das Nachjagen eines Traumes! Ich lebe immer noch in Belfast, aber ich reise mehr und mehr im Auftrag der Kunst nach London und Frankreich. Zwei Mal im Jahr bin ich für einige Zeit in New York. Ich brauche einfach eine regelmäßige Dosis dieser besonderen Energie dieser Stadt für meine Kunst.

Brians Arbeitsplatz – Foto: Brian John Spencer

Brian kann nichts aus der Ruhe bringen, Foto: Brian John Spencer

Was war der Wendepunkt in deiner Kariere?

Ich glaube, der Wendepunkt in meiner Karriere war im Herbst 2016 als ich endlich wieder nach Brooklyn zurück kam. Davor war ich Künstler und Schriftsteller und war auch beratend tätig. Aber mit meiner Kunst in New York und besonders in Brooklyn zu sein und Anerkennung von New Yorkern für das was ich tue zu bekommen, das überzeugte mich alles andere fallen zu lassen und mich auf das zu konzentrieren was ich am besten kann.

New York-Korrespondentin Laura:

Laura lebt seit einem Jahr mit ihrem Mann und drei gemeinsamen Kindern in Brooklyn. Sie war sofort fasziniert von der übersprudelnden Kreativität dieses Stadtteils. Für HIPSTER HOME macht sich Laura regelmäßig auf die Suche nach außergewöhnlichen Künstlern, Orten und Trends. Wir freuen uns, Laura zu unserem Team zählen zu dürfen und hoffen, sie kann viele von Euch mit ihren einzigartigen Geschichten begeistern.

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